
Ohne die Region kommt die Gewässerentwicklung an der Randow nicht voran
Im Gespräch mit Frank Sonnenburg vom Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg (LUGV) in Frankfurt/Oder über die Erarbeitung des Gewässerentwicklungskonzeptes für die Randow, Februar 2011
Das Einzugsgebiet des GEK Randow und die zu berücksichtigenden Oberflächenwasserkörper.
Der Mühlenbach Günz, das Große Fließ und der Eickstedtgraben wurden für die Planung in mehrere Abschnitte unterteilt. Die vielen Entwässerungsgräben, aber auch die Alte Randow bilden keine eigenständig zu behandelnden Wasserkörper. In einer so stark durch die Nutzung geformten Landschaft wie einem künstlich entwässerten Durchströmungsmoor, ist es kaum zu entscheiden, von welchem natürlichen Referenzzustand für die Fließgewässer ausgegangen werden soll. Für das LUGV sind die in der Karte verzeichneten Gewässer die Ausschlag gebenden.
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Die Alte Randow spielt in den bereits gesammelten Vorstellungen für eine wasserwirtschaftliche Neuordnung im Randowbruch ein wichtige Rolle: Obwohl im GEK nicht als wichtiger Gewässerkörper benannt, soll sie zum ökologisch durchgängigen Hauptvorfluter entwickelt werden. Für die angrenzenden, zur Mitte des Bruchs hin abfallenden Flächen wachsen damit die Anforderungen für die Ent- und Bewässerung. (Karte: ARGE biota – Institut für ökologische Forschung und Planung GmbH / Ellmann und Schulze GbR, 2011)
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Der Gramzower Mühlenbach. Wo er am Zehnebecker Wald entlang hinunter ins Randowbruch fließt, finden sich Abschnitte mit guter Strukturgüte. Geschwungener Verlauf, Totholz, ausgeprägte Prall- und Gleithänge an den Ufern, hohe Fließdynamik: All dies spricht für die Naturnähe des Gewässerabschnitts. Er könnte als Vorbild für die zukünftige Gestaltung weiterer Gewässerabschnitte in Hanglagen dienen.
Foto: LUGV
Für Fische nicht durchgängige Wehre wie dieses bei Passow werden mit Blick auf den zu erreichenden „Guten ökologischen Zustand“ als ein Defizit eingestuft. Hier Abhilfe zu schaffen ist unter anderem ein Ziel des GEK. Wie dieser Anspruch mit der Herausforderung des Wasserrückhaltes in Einklang gebracht werden kann
Der Wiesengraben im Randowbruch. Geradlinig im Trapez ausgebaut und kaum beschattet, zwei Charakteristika die mit einem guten Gewässerzustand nur schlecht zu vereinbaren sind.
Nicht jeder Graben wird mehr gebraucht, um die landwirtschaftliche Nutzung im Randowbruch zu gewährleisten. Eine Neuordnung der wasserwirtschaftlichen Strukturen im Rahmen des GEK könnte auch zur Verfüllung des einen oder anderen Grabens führen
Am 1. Dezember 2010 traf sich in Passow in Rahmen der Erarbeitung des Gewässerentwicklungskonzeptes für das oberirdische Wassereinzugsgebiet der Randow die sogenannte projektbegleitende Arbeitsgruppe, kurz PAK, zum ersten Mal.
Die mit der Erarbeitung des Konzeptes beauftragte Arbeitsgemeinschaft aus dem Ingenieurbüro Ellmann & Schulze GbR und dem Institut für ökologische Forschung und Planung GmbH biota präsentierte Landnutzern, Vertretern von Behörden und Naturschutzverbänden, Landeigentümern und natürlich dem Wasser- und Bodenverband Welse mit einer Defizitanalyse erste Einblicke in die Aufgabenstellung. Eingeladen hatte das Landesamt, vertreten durch das Referat Wasserbewirtschaftung und Hydrologie des Regionalbereiches Ost, das die Bearbeitung des Gewässerentwicklungskonzeptes (GEK) für die Randow fachlich betreut. Fertig vorliegen soll das abgestimmte Konzept Ende 2011.
Das GEK für die Randow ist eines von 29 Konzepten, die in den fachlichen Zuständigkeitsbereich der Regionalabteilung Ost fallen und in den kommenden Jahren im deutschen Einzugsbereich der Oder zu erarbeiten sind. Wenngleich das Thema Wasser seit Jahren auf europäischer und Landesebene im Mittelpunkt steht, stellt diese Arbeit eine besondere Herausforderung für die regional bzw. vor-Ort Agierenden dar: Denn mit der Beauftragung von Planungsbüros allein ist es nicht getan, die Teilhabe der Landnutzer an der Erarbeitung der Konzepte ist zu sichern, um über kurz oder lang aus den Vorschlägen konkrete Maßnahmen abzuleiten und umzusetzen. „Es geht darum, Kompromisse zu finden, um die Struktur und die Güte der Gewässer zu verbessern. Wir brauchen und hoffen auf die aktive Teilnahme der Region“, betont Frank Sonnenburg, der im Landesamt für die GEK in der Region Ost verantwortlich ist.
Neben dem GEK für die Randow wurde auch an der Ucker mit der Arbeit begonnen. Für die oberirdischen Wassereinzugsgebiete der Welse werden drei GEKs folgen, vom Quellgebiet bis zu den Blumberger Teichen, von dort bis zur Einmündung der Randow und schließlich bis zur Mündung in die Friedrichstal-Hohensaatener-Wasserstraße.
Letztlich sollen bis 2027 Brandenburg weit 161 Konzepte vorliegen, die fachlich begründete Vorschläge für eine möglichst naturnahe, mit verträglicher Gewässernutzung im Einklang stehende Entwicklung aller Oberflächengewässer unterbreiten.
Die Wasserrahmenrichtlinie der EU
Im Jahr 2000 verabschiedete das EU-Parlament die europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Ziel der Richtlinie ist es, für alle Oberflächengewässer – im Binnenland wie an den Küsten – einen guten ökologischen und guten chemischen sowie für das Grundwasser einen guten chemischen und mengenmäßigen Zustand zu erreichen, der sich am natürlichen Referenzzustand des jeweiligen Gewässertyps orientiert. Sie bildet den politischen und fachlichen Hintergrund für eine integrierte Gewässerschutzpolitik, die die Gewässer als Einheit mit ihrer Umwelt betrachtet, sprich: Sich an den natürlichen Wassereinzugsgebieten orientiert und somit an Verwaltungs- und Ländergrenzen keinen Halt macht.
Gemeinsam mit den anderen Anrainern Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern hat das Land Brandenburg in einem ersten Schritt zur Umsetzung der Richtlinie für die großen Flusseinzugsgebiete Elbe und Oder Maßnahmen und Bewirtschaftungspläne erarbeitet. Sie beschreiben allgemein, was für eine ökologische Aufwertung, gegen Verschmutzungen und für eine nachhaltige Bewirtschaftung zu tun geboten ist und welche Synergien sich mit anderen Naturschutzinstrumenten ergeben können. Für die Oder heißt letzteres, mit Blick auf die FFH-Gebietsmanagementplanungen an der Randow: "Maßnahmen im Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL, die sich in Synergie vor allem auch positiv auf die Schutzziele in NATURA 2000- Gebieten auswirken, sind im deutschen Odereinzugsgebiet insbesondere
- die Initiierung bzw. das Zulassen der Eigenentwicklung von Fließgewässern,
- die Wiederherstellung des gewässertypischen Abflussverhaltens,
- die Herstellung der linearen Durchgängigkeit,
- die Reduzierung von partikelgebundenen Schadstoffeinträgen und der Schadstoffbelastung von Sedimenten,
- die Habitatverbesserung im Gewässer- und Uferbereich von Oberflächengewässern,
- die Reduzierung von Nährstoff- und Pflanzenschutzmitteleinträgen aus der Landbewirtschaftung,
- die Reduzierung von Wasserentnahmen aus Oberflächen- und Grundwasser."
(Zitiert aus dem Bewirtschaftungsplan nach Artikel 13 der Richtlinie 2000/60/EG für den deutschen Teil der internationalen Flussgebietseinheit Oder vom Dezember 2009, Seite 128.)
Die regionale Umsetzung dieser allgemeinen Maßnahmen obliegt in einem ersten Schritt den einzelnen regionalen Gewässerentwicklungskonzepten.
Das Gewässerentwicklungskonzept Randow
Die sachliche Zuständigkeit der EU WRRL umfasst alle Oberflächenwasserkörper und mit diesen im Austausch stehende Grundwasserzonen. Das Wassereinzugsgebiet der Randow ist 184 km² groß, insgesamt 18.378 ha. Der überwiegende Teil gehört zum Landkreis Uckermark, gut dreieinhalb Prozent also 657 ha liegen auf vorpommerschem Gebiet. Mit der Randow inklusive des Mittelgrabens, dem Mühlenbach Grünz, dem Eickstedtgraben, dem großen Fließ, dem Wiesengraben, dem Gramzower Mühlenbach und dem Torfgraben Blumberg sind 62 km Fließgewässer im Rahmen einer Berichtspflicht des Landes gegenüber der EU besonders zu bewerten. Seen von einer Größe, dass sie einzeln im GEK zu berücksichtigen wären, gibt es nicht. Die WRRL bedeute einen Richtungswechsel in der Bewirtschaftung der Gewässer. Dass "enormer Handlungsbedarf" bestehe, daran lässt der Informationsflyer zum GEK Randow keinen Zweifel: "Nach Auswertung bisheriger Monitoringergebnisse befinden sich alle diese Gewässer bis auf eine Ausnahme in einem unbefriedigenden bis schlechten ökologischen Zustand…". Abschnitte des Eickstedtgrabens und des Mühlenbaches Grunz bilden nach dem letzten Stand diese Ausnahme, sie werden in der Betrachtung als natürliche Gewässer gesehen.
Wo immer es in diesem Gebiet gehe, sei die Renaturierung bzw. Verbesserung der Gewässerstrukturgüte und wenn notwendig im Einklang mit gewässerverträglichen, bestehenden Nutzungen das Ziel der Entwicklung, so Sonnenburg. Hierfür seien u.a. Kompromisse in der Landnutzung zu finden. "Was kann man machen, wo kann man es machen und wie sehen die räumlichen und technischen Lösungen aus", das sind die Fragen von Interesse. Ob man eine gewässerverträgliche Nutzung besser mit einer natürlichen Struktur verbinden kann und damit den Wetterkapriolen der Zukunft begegnet, wo ein Gewässerrandstreifen möglich ist, wo man dem Biber Raum lassen kann, wo Wasserrückhalt und wo die Durchgängigkeit für die Fische im Vordergrund stehen soll – all diese Fragen seien nicht allein vom Landesamt zu entscheiden, meint Sonnenburg, sondern in der Region zu klären. Daher fängt für ihn die Arbeit am GEK bei der Landnutzung an und darum spielt der Arbeitskreis dabei eine so wichtige Rolle. Hier ist der Ort, wo Nutzer und Anlieger auf fachlicher Grundlage über ihre Interessen und wasserwirtschaftlich nötige Dinge ins Gespräch kommen können. "Mancherorts könne man vielleicht sofort mit Maßnahmen beginnen, wo anders wird es länger dauern, aber wenn man gemeinsam ein Projekt, ein, zwei Dinge erfolgreich machen kann", hofft Sonnenburg, "dann werden andere folgen." Schritt für Schritt gehe es in Richtung einer Ökologisierung der Landnutzung.
Leider ist mit der Erarbeitung der GEKs die Finanzierung der einzelnen Maßnahmen nicht automatisch gesichert. Für Sonnenburg geht es darum, bestehende Fördermöglichkeiten besser zu nutzen und Einvernehmlichkeit bei Anträgen vorab zu erreichen. Auch wird dieses Konzept allen behördlichen Entscheidern auf kommunaler und Landesebene als eine sachliche Grundlage zur Verfügung stehen. Es bleibt jedoch ein Konzept; fachlich gut begründet und mit den Landnutzern und Behörden abgestimmt, das die Voraussetzungen schafft für eine ökologische Verbesserung oder gar partielle Renaturierung von Flussabschnitten. Vieles müsse über den Wasser- und Bodenverband geleistet werden. Der Verband werde seine Maßnahmen darauf fokussieren, die Zielstellungen des Konzeptes zu erreichen und sich auch stärker der öffentlichen Diskussion stellen, so die Einschätzung des Landesamtes. Es könnten Lösungen auch über Projekte von Dritten realisiert werden, etwa den Naturschutzverbänden.
Defizite an der Randow
Dem Arbeitskreis und seinem fachlichen Votum bezüglich der von den Planern erarbeiteten Vorschläge wird seitens des Landesamtes und der Fachplaner ein hoher Stellenwert zugewiesen. Darüber werde sich zukünftig kaum jemand einfach hinwegsetzen können, ist sich Sonnenburg sicher. Das Gewicht des Arbeitskreises wachse einerseits mit den Personen, die sich hier engagieren, hänge aber auch von einer soliden sachbezogenen Information der Mitglieder ab.
Die Vorstellung der Defizitanalyse zum Fließgewässersystem der Randow durch die Arbeitsgemeinschaft der Planungsbüros bildete daher auf der ersten Sitzung des PAK Randow in Passow einen wichtigen Tagungsordnungspunkt. Auf der Grundlage vorhandener Daten und Gewässerbegehungen wurden in einer Präsentation die Defizite beschrieben, die die Randow und ihre Zuflüsse von einem „Guten Zustand“ trennen:
- an der Randow sind es vor allem die nicht vorhandene Durchgängigkeit der Wehre für Fische und Kleinlebenwesen, die fehlende Beschattung, die Grünlandnutzung bis an die Böschungskante, die sich nachteilig auswirken,
- am Mühlengraben Grünz sind es der geradlinige, schatten- und randpufferlose Gewässerausbau in der Niederung und vor allem die Verrohrungen im Oberlauf, wobei der mittlere Bereich des Grabens auf den Höhen einen guten Zustand aufweist,
- der Eickstedtgraben ist auf langen Strecken verrohrt, nur der Mündungsbereich in der Niederung ist naturnah,
- auch der Gramzower Mühlenbach erreicht nur im Bereich des Zehnebecker Waldes, wo er teilweise geschwungen verläuft und kleinere Kaskaden und Abstürze aufweist, einen guten Zustand,
- am Torf- und Wiesengraben schließlich sind es ebenfalls vor allem der geradlinige, beschattungs- und pufferlose Ausbau und die mangelhaften Durchlässe.
Mit diesen Einschätzungen, die Präsentation ist im Internet
unter der Adresse
http://www.wasserblick.net/servlet/is/111170/
einsehbar, ist ein Teil der Agenda für den GEK Randow umrissen.
Schnelle Abhilfe schaffen und langfristig Neuordnen
Eine Reihe der aufgeführten Defizite sind dem Wasser- und Bodenverband (WBV) Welse natürlich bekannt. In einer gemeinsamen Arbeitssitzung der ARGE, dem WBV und dem Landesamt wurden daher Ideen ausgetauscht, welche Maßnahmen zur Strukturverbesserung an der Randow und ihren Zuflüssen bereits während der Arbeit am Gewässerentwicklungskonzept durchgeführt werden könnten. Erste Erfolge im Kleinen sollen das gesamte Vorhaben unterstützen und obendrein allen Beteiligten zeigen, das mit dem GEK auch wirklich etwas bewegt werden könne. Randbepflanzungen zur Schaffung von Lebensräumen im und am Gewässer, Optimierung von Querbauwerk, die die Durchgängigkeit behindern, Rückbau von Staubauwerken und anderes: In diese Richtung wurde hier diskutiert.
Auch eine wasserwirtschaftliche Neuordnung des Randowbruchs wurde angedacht, in deren Rahmen der Alten Randow am östlichen Rand als ökologisch durchgängiger Hauptvorfluter eine besondere Rolle zukäme. Mittel- und Wiesengraben bekämen die Funktion als Hauptentwässerer zugewiesen. Dadurch entstünde im unteren Bruch ein größerer Bereich mit besonderen Anforderungen an die Ent- und Bewässerung. Ob diese Ideen sich durchsetzen und zum Bestandteil des GEK werden, das hängt nicht zuletzt von den Landnutzern ab, die diese Veränderungen mehrheitlich mittragen sollten. Ein Nutzer oder eine Behörde allein wird dies nicht entscheiden können. Für Frank Sonnenburg heißt dies: moderieren und nach Maßnahmen für pragmatische Lösungen suchen. Auf alle Fälle ist Mitwirkung ausdrücklich erwünscht!
Kontakt und weitere Informationen:
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg
Regionalbereich Ost
Referat RO5 - Wasserbewirtschaftung, Hydrologie
Frank Sonnenburg, Tel. 0335 560-3135
E-Mail: Frank.Sonnenburg@lugv.brandenburg.de
www.mugv.brandenburg.de/
Unter
www.wasserblick.net/servlet/is/111170/
finden Sie die aktuellen Unterlagen zum Bearbeitungsstand des GEK Randow
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